Energie – unser Plan durch die schwierige Zeit

Update: Unser Artikel hat viel Presse und Rückmeldungen aufgewirbelt. Wir haben am Ende der Seite ein paar davon gesammelt.

Vorab: Wenn im Handwerk oder Mittelstand Stimmen von Geschäftsleuten laut werden, dass man sich doch einfach mit Putin gut stellen sollte, sind wir entsetzt. Obwohl wir in vielen Bereichen der Energiekrise stark betroffen sind, lehnen wir diese Meinung ab. Das würde die Fehler der vergangen Energiepolitik nur schlimmer machen. Wir wollen auch in Zukunft in einem freien Europa leben, welches nicht von irgendwelchen Diktatoren erpresst und bestimmt werden kann.

Die Schreckensmeldungen der Branche

Die aktuelle Situation ist für den Gartenbau, der ja mit Gewächshäuser und vergleichsweise günstigen Produkten, viel Energie benötigt, nicht einfach.

Die Meldungen, die bei uns auflaufen, sind nicht positiv

  • In Holland sollen 40% der Gartenbaubetriebe die Produktion im Winter eingestellt haben
  • Gas könnte 6 – 7 mal teurer (also über 30 Cent /kwh) werden
  • der Strompreis wird ebenso explodieren
  • Jungpflanzen sind aus europäischer Anzucht nur eingeschränkt zu bekommen
  • Transportmöglichkeiten aus der südlichen Halbkugel fehlen
  • Einige deutsche Gartencenter planen von Weihnachten bis Anfang März komplett zu schließen
  • u.v.m.

Wir sind für Sie da

Leider leben wir nicht in einer zauberhaften Blase, in der uns dies alles nicht betrifft. Wir haben aber die letzten Wochen viel geredet, nachgedacht und Lösungen ersonnen. Unsere Öffnungszeiten werden nicht eingeschränkt und auch im Winter werden wir ein möglichst großes Pflanzen- und Schnittblumensortiment anbieten.

Unser Plan für den Winter.

Davon sind Sie direkt betroffen:

  • Ab Ende Oktober wandern in Schwabach unsere Schnittblumen in das Verkaufsgewächshaus nebendran. Die Schnittblumen halten Temperaturen um die 4°C locker aus. Hingegen werden die Zimmerpflanzen, die es wärmer benötigen, in den besser isolierten jetzigen Schnittblumenbereich umziehen.
    • Dadurch wird das Zimmerpflanzensortiment im Winterhalbjahr etwas geringer als sonst.
    • Im Winter werden wir wieder auf "alte" Zimmerpflanzen, die es etwas kälter vertragen, eine Priorität legen. Das passt ja auch: Die Wohnungen werden ja auch wieder kälter.
  • Das große Zimmerpflanzengewächshaus in Schwabach wird von Außen mit Noppenfolie eingepackt. Das macht den Blick im Inneren nicht so schön. Aber es ist effektiv.
  • In allen Betrieben wird es im Winter dunkler: Wir stellen die letzten Schweinwerfer auf LED um und reduzieren gleichzeitig die Helligkeit, bzw. schalten in einigen Bereichen das Licht über Bewegungsmelder an.
  • Die adventliche Lichterdekoration wird drastisch eingeschränkt.

"Stille Aktionen" von denen Sie im besten Fall nichts mitbekommen:

  • In den nächsten Wochen werden noch die fehlenden 4 Gewächshäuser mit aktuellen Klimacomputern ausgerüstet. Dann können wir überall Temperaturstrategien wie "Cool Morning" oder das "Weihenstephaner Modell"  einstellen. Bei letzteren wird um 24 Uhr die Heizung in den Gewächshäusern fast abgestellt und erst wieder um 10 Uhr Vormittags angeheizt. Interessanterweise vertragen das die meisten Pflanzen sehr gut und werden dadurch stabiler. Die Probleme mit Taupunkt Unterschreitung löst dabei der Klimacomputer elegant.
  • Unsere Sommerpflanzen für den Maiverkauf werden deutlich später angezogen. Normalerweise haben wir mit dem Topfen Ende Januar begonnen. Das hilft uns im März, wenn es mit Friedhof, Gärten und Verkauf losgeht, mit dem Topfen fertig zu sein. Für die nächste Saison starten wir mit dem Topfen erst Ende Februar. Damit dies klappt, werden unsere Gärtner im kleinen Schichtbetrieb arbeiten und unsere Topfstraße damit mindestens 10h am Laufen halten. Auf die fertige Pflanzqualität hat diese Änderung wenig Einfluss.
  • Am Schwabacher Stammbetrieb haben wir noch einen Erdöltank. Der lagert seit Jahren als Notfall für einen Gasausfall und ist fast voll. Jetzt sind wir wirklich froh darüber und hoffen, damit über den Winter zu kommen.
  • Die Rutzendorfer Gärtnerei ist von der Energieversorgung sicher. Hier haben wir BioLPG und heizen damit schon seit langem deutlich teurer, aber dafür CO2 neutral. Dieses Produkt kam nie aus Russland und daher ist die Lieferung gewährleistet.
  • Unser Überwinterungsbetrieb wird im Oktober von Erdgas auf  BioLPG umgestellt. Das sind relativ einfache Arbeiten und wir können damit auch hier entspannt in den Winter gehen. Entspannt heißt im Klartext, dass das BioLPG ziemlich exakt das Doppelte kostet, was uns bisher das Erdgas gekostet hat. Trotzdem freuen wir uns darüber, weil wir damit einen planbaren Preis haben.

    Betrieb 2 – Lindenbachstraße Schwabach – Kein Verkauf – Überwinterung und Schnittblumenanbau

Unser Ziele:

  • Sie sollen so wenig wie möglich von der Krise merken.
  • Die Pflanzenpreise, gerade bei Schnittblumen, werden rasant weiter steigen. Wir versuchen das abzufangen und noch mehr auf regionale Produkte zu setzen.
  • Wir planen weder Verringerungen der Öffnungszeiten, noch Reduzierung unseres Sortimentes. Noch sonstige tiefgreifende Einschnitte.
  • Den Winter gut überstehen und das Beste aus einer herausfordernder Situation zu machen.

Wir feiern dieses 120 Jahre Betriebsgeschichte. Unsere Vorfahren haben zwei Weltkriege überlebt und die Gärtnerei auch in diesen schwierigen Zeiten weitergeführt. Von solchen Situationen sind wir meilenweit entfernt und denken. Wir sehen dies als Ansporn nicht zu jammern, sondern zu handeln und das Beste aus der Situation zu machen.

22.09.2022

Ein paar Pressemeldungen über unseren Beitrag:

Den Start hatte das Schwabacher Tagblatt mit diesem Artikel:

Ein Beitrag der grünen Fachpresse Taspo:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BR Franken hat einen wunderschönen Kurzfilm erstellt

Wer sich fragt, wo der wilde Garten im Video ist: Wir haben über unserem Schnittblumenladen einen tollen Dachgarten. Dort wurde gedreht.

2 Kommentare zu “Energie – unser Plan durch die schwierige Zeit

  1. Auch ich finde Ihren Beitrag großartig! Zum einen Ihre Einstellung und Ihre Reaktion auf diese Situation und zum anderen auch die transparente Kommunikation. Genau dafür sind wir ja selbständig, dass wir kreativ reagieren und immer das Beste aus der Situation zu machen versuchen – ob Bürokratie, Globalisierung, Klima, Corona, Krieg oder was auch immer noch kommen mag.

    Dass man es dabei nicht immer jedem Kunden recht machen kann, liegt ja auf der Hand –  und manchmal will man das dann auch gar nicht. Es muss eben jedes Töpfchen sein passendes Deckelchen finden…

    In diesem Sinne: Weiterhin viel Energie, Kreativität und Erfolg! Ich bin froh und stolz, dass wir schon so lange zusammenarbeiten!

  2. Nachtrag:
    Eine spannende Geschichte und uns war wirklich nicht bewusst, was wir hier lostreten. Heute hat das Schwabacher Tagblatt unseren Artikel fast eins zu eins für ihre Ausgabe übernommen. Parallel hatte ich den bayrischen Rundfunk gleich zweimal zu Gast (für ein Radiointerview und für einen Beitrag zur Frankenschau im Fernsehen …).
    Neben viel positiven Rückmeldungen (sooo politisch finde ich meinen Beitrag nicht) hatte ich auch einen Telefonanruf einer Kundin, die mich wirklich "zusammengeputzt" hat und jetzt nie wieder bei uns einkaufen will ("Man muss immer zwei Seiten sehen und der Putin hat Recht und der Selenskyj fordert unverschämt viel" und so weiter ..)
    Egal wie man politisch denkt: Das ist doch das Schöne an einer Demokratie, dass wir verschiedene Meinungen haben können, darüber streiten dürfen, ohne dass jemand deswegen Konsequenzen befürchten muss.
    In diesem Sinne: Gott sei Dank für demokratische Staaten und dass ich jetzt wegen dieses Artikels keine Konsequenzen befürchten muss.

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