Willkommen Francesca – eine Italienerin im Team

Das es für uns immer schwerer wird gutes Personal zu finden, haben wir schön öfters geschrieben. Zeitweise haben wir überlegt, ob wir Gewächshäuser nicht mehr belegen, weil wir es mit unserem vorhandenen Team nicht mehr schaffen. Im Juli ist dann bei uns die Entscheidung gefallen unsere „Bella Francesca“ ins Team auf zu nehmen. Francesca ist ein Roboter, genauer gesagt ein Pikierroboter (unsere Mädels haben irgendwann angefangen allen Maschinen Namen zu geben :)). Sie ist eine echte Italienerin. Eigentlich besteht Francesca aus drei Maschinen, die in einer Topfstraße zusammen stehen. Francesca zerstört keine Arbeitsplätze. Sie hilft uns in Zeiten, in denen es keine gelernten Gärtner mehr gibt, unser bestehendes Personal zu entlasten.

 

Über Slowenien

Besuch bei Valners in Ljubljana, Slowenien
Besuch bei Valners in Ljubljana, Slowenien
Besuch bei Valners in Ljubljana, Slowenien
Besuch bei Valners in Ljubljana, Slowenien

Gärtner kaufen nur, wenn Sie Dinge in Betrieb sehen.  In Prospekten kann viel stehen. Im Juni waren wir deshalb auf einem 24h-Kurztripp in Slowenien um uns dort einen Pikierroboter von Urbinati im Betrieb anzusehen. Wir trafen dort auf wirklich nette Kollegen, haben gemeinsam Kaffee getrunken und uns mit schlechtem Englisch und ein wenig Deutsch gut ausgetauscht. Das Ergebnis war, dass die Maschine für uns passen könnte.  Der Rest ging sehr schnell: Maschine bestellt (bei Urbinati in Italien), schnellstmöglichen Liefertermin ausgemacht und seit Anfang Oktober steht Francesca bei uns.

Ein Schritt in Richtung Gartenbau 4.0.

Funktion

Unsere Francesca arbeiten in 3 Schritten:

Topfmaschine und Transplanter
Transplanter
Topfmaschine und Transplanter
Topfmaschine
    • Eine klassische Topfmaschine, die die Töpfe mit Erde befüllt, Dünger pro Topf dazugibt und ein Loch für den Steckling im Topf vorbohrt.
  • Der Pikierroboter (Transplanter): Hier werden mit Metallfinger die Jungpflanzen aus der Vermehrungsplatte genommen und in den Topf gesetzt. Das ist die eigentliche Topfarbeit und Innovation (in Franken gibt es sehr wenig Gärtner, die diese Technik schon einsetzen).
  • Ein kleiner Drehteller, an dem dann ein Gärtner arbeitet, die Qualität überprüft, Fehlleistungen aussortiert und die Töpfe auf den Transportkarren packt.

Unsere ersten Arbeitstage mit Francesca waren toll. Ohne, dass wir total fertig waren, haben wir  10 000 Töpfe am Tag getopft und im Gewächshaus aufgestellt. Und das mit nur 2 Gärtnern. Zum Vergleich: Per Hand haben wir mit 5 Gärtnern ungefähr 5000 Töpfe am Tag geschafft (wenn alles gut lief und wir schnell waren, waren es schon mal 6500 Töpfe). Das Arbeiten mit unserer „Schönen“ macht wirklich Spaß. Der Maschinenlärm ist sehr moderat und das Ergebnis gut.

Für uns war wichtig, dass wir weiterhin unsere gebrauchte Töpfe (die Sie als Kunden zurückbringen) verwenden können. Daher hat Francesca uns ein hochwertigeres Topfmagazin bekommen, dass diese Töpfe auch verarbeiten kann. So können unsere Töpfe weiterhin umweltschonend mehrmals verarbeitet werden (wir kaufen jährlich nur 30% unseres Topfbedarfes zu – der Rest sind gebrauchte Töpfe, das macht unsere Plastiktöpfe zu der umweltfreundlichsten Variante überhaupt).

Francesca ist für uns eine Start in die nächste Generation gärtnern  und für unsere Kunden die Versicherung, dass wir weiterhin an unseren Standorten selbst produzieren (das ist das schöne mit mehreren Standorten, dass diese Maschine nur einmal in der Zentrale angeschafft werden muss). Wir haben durch diesen Maschineneinsatz deutlich Zeit gewonnen, die wir unseren Kunden und unseren Pflanzen wieder zu kommen lassen.

 

Information für Fachbesucher

Wir sind immer dankbar Informationen von Kollegen zu bekommen. Daher will ich auch hier ein paar technische (für den Endkunden wahrscheinlich uninteressante) Punkte schreiben, die uns geholfen hatten.

  • Wir haben im Vorfeld Topfmaschinen von Demtec, Mayer, Javo und Urbinati besichtigt. Alle, bis auf Urbinati, gehen inzwischen davon aus, dass der Transplanter direkt an der Topfmaschine montiert wird. Das soll ein besseres Pikiererlebnis bringen. Wir haben dieses System (ohne jetzt zwei unterschiedliche Systeme direkt nebeneinander gesehen zu haben) kritisch angesehen:
    • Läuft das Topfmagazin nicht rund (und es werden gebrauchte Töpfe verwendet) landet der Steckling im Erdbunker und ist damit sehr schnell zerstört.
    • Für das Anbringen des Transplanter direkt an der Topfmaschine muss die Topfmaschine „intelligent“ sein, d.h. obwohl hier mit relativ alter und bewährter Technik gearbeitet wird, muss die Topfmaschine auf  digitale Steuerung umgestellt werden. Das erhöht den Preis der Topfmaschine um bis zu 300 %.
  • Urbinati geht als einer der wenigen Hersteller den „Old-School“-Weg: Die Töpfe fahren auf einem Band in den Transplanter, dort sitzen Photozellen, die, wenn genügend Töpfe im Transplanter sind, den Pikiervorgang starten. Wir haben ungefähr 3  mal am Tag einen Topfcrash im Transplanter. Ansonsten funktioniert das System sehr stabil. Dieser Topfcrash entsteht meisten schon an der Topfmaschine: Der Transplanter schaltet, wenn zu viele Töpfe in der Warteschlange stehen, die Topfmaschine aus. Da die Urbinati sehr viel mit Druckluft macht, kann es passieren, dass beim Einschalten ein Topf zu stark auf das Band „gepustet“ wird. Die Töpfe stehen damit zu eng am Band und die Stopper des Transplanter quetschen die Töpfe.
  • Wir arbeiten als kleiner Endverkaufsbetrieb mit relativ geringen Stückzahlen. Von daher war für uns eine Stundenleistung von mehr als 3000 Pflanzen kein Verkaufsargument. Wir wollen die Pflanzen ja auch noch ins Gewächshaus bringen. Die jetzige Urbinati Topfmaschine macht 2400 Pflanzen / Stunde. Der Transplanter schafft mit 2 Fingern (kleinste Ausführung) theoretisch 1600 Pflanzen / Stunde. Wir haben ihn gemessen nicht über 1300 Pflanzen / Stunde gebracht (damit die Topfmaschine ohne Pause laufen kann, werden wir wahrscheinlich noch 2 Finger dazu kaufen, das ist relativ günstig mit ~1300 € / Finger).
  • Ein Punkt für Urbinati war für uns, dass Topfmaschine und Transplanter aus einer Hand kommen. Alle anderen Hersteller verbauen Fremdprodukte (für den Transplanter meistens TEA (Italien) oder deutlich hochwertigere TTA aus Holland).
  • Wir haben als Endverkaufsbetrieb keine vollautomatische Produktionslinie. Unsere Gärtnerei ist gewachsen und besteht aus relativ vielen verschiedenen kleineren Gewächshäusern. D.h. es arbeitet immer irgendwo ein Gärtner, der die Qualität überprüft und Leer-Töpfe aussortieren kann. Daher können wir auf eine Investition wie ein Transplanter  von TTA (der die Pflanzen nicht nur herauszieht, sondern auch von unten durch schiebt und gleichzeitig bewerten kann) verzichten.
  • Gerade bei kleinen Vermehrungsplatten ist wichtig, dass diese richtig feucht / nass sind. Ansonsten sind die Jungpflanzen zu leicht und bleiben an den Fingern hängen.
  • Damit wir die Töpfe schnell auf die Tische bekommen (wegen Endverkauf haben wir keine Rolltische oder Mobiltische) haben wir zeitgleich auf die Kultur in Gernertpaletten umgestellt. Das geht erstaunlich schnell. Der einzige Nachteil ist, dass wir einen deutlich höheren Flächenbedarf haben und mit den Abständen deutlich unflexibler sind.
  • Wir denken, dass der kleine Transplanter für uns ausreichend ist. Schwierig würde es nur, wenn wir viele Töpfe mit 2 oder 3 Pflanzen / Topf produzieren würden. Hier wäre dann einfach die Stundenleistung zu gering.
  • Die Steuerung des Transplanters ist relativ einfach und bis auf ein paar blöde Hindernisse auch logisch. Die deutsche Übersetzung ist nicht zu gebrauchen (Programm löschen, nächstes Fenster „löschen“ oder „löschen“ ?). Englisch ist sauber und man kommt gut zurecht. Ein strikte Trennung von Pikierplatte, Topf und Programm macht es möglich, dass man, wie bei uns, die 4 verschiedenen Topfgrößen nur einmal eingeben muss. Genauso ist es mit den Pikierplatten. Da die Pikierplatten mit jedem Detail und Maß aufgenommen werden müssen ist hier das erstmalige Anlegen relativ aufwendig. Damit das Programm sauber funktioniert sollte man einmalig 45 – 60 Minuten einplanen. Ein Nachteil ist, dass die vorhandene Programme nicht sortiert bar sind und sich auch nicht in einer Struktur verwalten lassen. D.h. man hat irgendwann einmal 60 – 80 Programme im Menüfeld stehen und muss das passende davon aussuchen.
  • Der Transplanter sortiert keine Pflanzen und ist dafür auch nicht vorbereitet. D.h. wenn in der Vermehrungsplatte eine Pflanze ausgefallen ist, verpflanzt der Urbinati-Transplanter dann ein Stück Erde :-). Dafür ist der Gärtner am Drehteller dann bei uns zuständig.
  • Der Düngermischer an der Topfmaschine ist verbesserungswürdig. Wir verwenden Tardit 6m (wie Osmocote 6M) und haben hierzu für 9er Töpfe die kleinste Dosierung gewählt. Leider verstopft er mit dem Tardit öfters, so dass man hier mit der Hand durchstoßen muss. Zudem kommt der Dünger auf den fertig-gefüllten Topf oben auf.

 

 

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