Inflation: Schnittblumenpreis steigen grenzenlos

Update 13.03.2022

Obwohl viele Dinge, die wir hier Anfang Februar geschrieben haben, noch aktuell sind, erleben wir einen deutlichen Preisrückgang. Der Grund dafür ist leider nicht zum Feiern: Durch den Ukrainekrieg greifen die europäischen Sanktionen für Russland. Wer sich früher in Russland westliche (andere gab es nicht im nennenswertem Maß) Schnittblumen leisten konnte, hatte viel Geld und wollte auch schöne Ware bekommen. Deswegen wurde Russland überwiegend mit Topware beliefert. Das und die langen Transportwege war der Hintergrund für hohe Schnittblumenpreise.

Inzwischen gibt es keinen russischen Markt und wir erleben, völlig erstaunt und unerwartet, dass das Schnittblumenangebot steigt und gleichzeitig die Preise wieder normalisieren. So einen Preisrückgang hatten wir in den letzten zwei Jahren nicht mehr (und schon gleich gar nicht Mitte März). Unsere Großhändler und wir erwarten zwar nicht, dass wir auf "Vor-Pandemie-Niveau" zurück kehren, aber die Auswahl steigt und wir hoffen, dass die Preise sich dann irgendwann stabilisieren.

Hier der Orignalartikel:

Wenn wir von einer Inflation für Januar 2022 von 4,5% lesen, wünschen wir uns, dass dies auch für unsere Branche zutreffen würde. Leider ist dem nicht so. Wir liegen im Schnittblumenbereich mindestens bei 30% – mit steigenden Preisen.

Eucalyptus cinerea
Eucalyptusanbau in unseren Gewächshäusern

Wo ist das Problem?

Gerne erklären wir Ihnen diese vertrackte Situation:

    • Generell ist der Pflanzenhandel und die Pflanzenproduktion durch relativ niedrige Preise geprägt. In vielen Bereichen hatten wir in den letzten 30 Jahren kaum Preissteigerungen. Ende der 70er Jahre, zu Zeiten der zweiten Ölkrise, kostete bei uns eine Geranie in Topqualität 4,50 DM. 2021 lag der Preis bei 2,79 €. Daran kann man erkennen, dass im Gartenbau die Margen klein sind und dies nur mit ständiger Technisierung ging. Durch die knappen Preise, können weder die Produzenten, noch wir die Preissteigerungen auffangen. Die knappen Margen haben dazu geführt, dass viele Betriebe (gerade in Süddeutschland) aufgegeben haben und keine Nachfolger mehr gefunden hatten. Es war in den letzten Jahren einfach sehr viel Idealismus für den Betrieb einer Gärtnerei nötig. Das hat, gerade die Schnittblumenproduktion, sehr stark in große Betriebe verlagert. Wir bekommen aktuell
      Chrysanthemum parthenium
      Chrysanthemum parthenium – Eigenproduktion

      nur (abgesehen von unserer Eigenproduktion) noch von 3 Gärtnereien aus dem fränkischem Raum heimische Schnittblumen.

       

    • Die Corona-Situation stört nach wie vor die Lieferketten und hat viele Betriebe zum Aufgeben oder zur Umstrukturierung gebracht. Schon 2020 hat einer der größten Schnittrosenproduzenten (20 ha unter Folie, in Spanien) die Hälfte seiner Produktion auf medizinischen Hanf umgestellt. Ähnlich haben viele Betriebe, die keine Nachfolger hatten, vorzeitig den Betrieb eingestellt. Auch in Ecuador ist die Zahl der Schnittrosenbetriebe zurück gegangen und die Ware damit deutlich knapper verfügbar.
    • Der niederländische Gartenbau bezog, bis Ende 2020, stark subventioniertes Erdgas. Als Folge des Wegfalles dieser Subvention haben aktuell viele Betriebe die Winterproduktion stark eingeschränkt oder aufgegeben.
    • Afrika und Südamerika (im Winterhalbjahr dominieren bei der Topqualität bei uns ja die Ecuador-Rosen) sind durch Transportprobleme reduziert. Schnittblumen aus diesen Regionen kommen mit dem Flugzeug. Schnittblumen sind eine leichte Fracht. Daher wurde der Großteils des Versandes mit normalen Passagiermaschinen abgewickelt (die Schnittblumen wurden einfach „oben auf“ gelegt – sie wiegen ja kaum etwas).
    • Die Hauptkosten im Gartenbau sind Lohnkosten und Energie. Beides brauchen Gartenbaubetriebe im hohen Maß. Viele Betriebe arbeiten mit Mindestlöhner und steigern jetzt schon den Verkaufspreis, um die kommende Mindestlohnerhöhung abzufangen. Wir zahlen zwar deutlich mehr als Mindestlohn, werden aber trotzdem 2022 im Mai die Löhne unserer Mitarbeiter deutlich anheben, um hier die Inflation auszugleichen.
    • Die Problematik im Transportsektor (fehlende LKW Fahrer, höhere Dieselpreise, Personalausfall durch Quarantäne und Corona) sind bekannt. Natürlich treffen uns diese Punkte auch. Im LKW Bereich hatten wir letztes Jahr nur 15-20% Kostensteigerung. Im Zubehörbereich ist der Seecontainer aus Asien von 2500€ auf über 15000€ gestiegen.
    • Um 2010 haben sehr viele große Gärtnereien neue Kohleheizungen gebaut. Diese heizen inzwischen, durch die CO2 Abgabe, deutlich teurer … Es ist klar und wichtig, dass Umweltschutz Geld kostet. In den wenigsten Fällen lässt sich mit Umweltschutz günstiger produzieren. Trotzdem hätten wir es uns gewünscht, dass diese Preissteigerungen langsamer kommen.
Sommerstrauß mit Indianernessel, Zinnien, Celosien

Was heißt dies heute?

  • Aktuell sind nicht mehr zu jeder Jahreszeit alle Schnittblumen zu einem bezahlbaren Preis zu bekommen.
  • A-Ware an Schnittblumen (was wir fast ausschließlich verkaufen) ist nochmal schwerer zu bekommen.
  • Zusätzlich zur eingeschränkten Auswahl sind Bestellungen meist sehr hochpreisig.
  • Schnittblumenpreise sind momentan ungefähr eine Woche vorher planbar. Hochzeiten und ähnliches Feste, die oft schon lange im Voraus bestellt werden, müssen ohne verbindliche Preisangaben bestellt werden.
  • An Blumentagen (wie Valentinstag) ist es sinnvoll auf unsere Eigenproduktion oder Ware aus der Region zurückzugreifen. Diese ist preisstabil. Konkret: An Valentinstag bekommt man viel mehr Blume, wenn der Strauß aus Frühlingsblumen besteht. Die aktuellen Preise der Blumenversteigerung in Aalsmer liegen eine Woche vor Valentinstag über unseren Endverkaufspreisen. Nur durch verbindliche Vorbestellungen können wir halbwegs im Rahmen bleiben.
  • Im Topfpflanzensektor steigen die Preise noch moderat. In einzelnen Fällen und bei knappem  Etat kann es daher sinnvoll sein, von Schnittblumen zu Topfpflanzen zu wechseln.

Der positive Aspekt an der Geschichte

  • Die regionale Produktion macht auf einmal wieder mehr Sinn. Wir überlegen auch, ob wir Kulturen wie Schnittlilien wieder ins Sortiment aufnehmen.
  • Heimische Ware kann unabhängiger von den Märkten und konstanter geliefert werden.
  • Wenn am Ende dieser Preisralley die Preise normalisiert sind und Gärtner wieder mehr Geld zum Investieren haben, wird das Gärtnereisterben vielleicht aufhören.
  • Bei den höheren Preisen bleibt momentan auch mehr beim Produzenten. Damit hat der Gärtner zukünftig mehr Geld für Investitionen (Umweltschutz), qualitativere Sorten und für seine Mitarbeiter.
  • Das "Es ist alles zu jeder Jahreszeit verfügbar" sich ändert finden wir gut und dem trauer wir nicht hinterher. Wir selbst brauchen keine Freesien oder Tulpen im Juli und können auch mit eingeschränktem Wintersortiment leben. Ein jahreszeitliches Programm – ergänzt durch weniger und hochwertigen Import – finden wir ökologisch sinnvoll und gut.

Fazit:

Gerade ist die Situation herausfordernd. Den Aspekt der heimischen Produktion sehen wir aber für uns und andere Betriebe sehr positiv. Allerdings ist dies eine langfristige Geschichte. Bis die fränkische Produktion wieder nennenswert auf dem Markt ist, wird es mit Sicherheit mindestens 5 Jahre dauern.

Wir machen keine Abstriche bei der Qualität. Das ist bei uns nach wie vor der wichtigste Faktor. Im Preisbereich stehen wir durch viele langfristige Lieferantenbeziehungen vergleichsweise gut dar. Unser Sortiment wird aktuell kreativer und dynamischer: Das sieht so aus, dass unser Schnittblumensortiment nicht immer vollständig ist und wir öfters Randsortimente, die qualitativ gut und bezahlbar sind, mit aufnehmen ….

Unser Ziel ist es, dass wir fair und in guter Qualität nach wie vor eine große Auswahl an Schnittblumen anbieten. Daran arbeiten wir und das versuchen wir täglich um zusetzen.

 

4 Kommentare zu “Inflation: Schnittblumenpreis steigen grenzenlos

  1. Großes Lob für die tolle Kommunikation; dadurch schafft Ihr Transparenz und Verständnis. Sehr gerne unterstütze ich, wo und soweit ich kann, Euch, Eure Arbeit und auf jeden Fall die heimische Produktion! Bitte macht weiter so!
    Lb Grüße

    1. Wir machen einen Spagat: Gerade in der Werbung gilt eigentlich, dass Überbringer von schlechten Nachrichten generell geköpft werden … In diesem Sinne ist der Artikel vielleicht ein Lehrstück, wie man es nicht macht. 🙂
      Auf der anderen Seite ist es im Alltag für uns viel leichter, wenn die Kunden verstehen, warum die Preise so hochgehen. Daher, auch wenn wir uns mit dem Artikel, gerade vor Valentinstag, vielleicht keinen Gefallen gemacht haben, hoffen wir auf Langzeitwirkung.

  2. Danke für die ehrlichen Worte und für den Einblick-dadurch wird einem erst bewusst, wieviel Arbeit dahinter steckt und um was man sich alles Gedanken machen muss-für eine gute Qualität zahle ich gerne ein paar Euro mehr Liebe Grüße

    1. Es ist einfach eine spannende Zeit. Wir gehen aber optimistisch in die Zukunft.
      Die Umstellungsphase wird sicherlich nicht von heute auf morgen passieren. Aber in spätestens 3 Jahre sollte, wenn nicht noch der ganz große Inflationscrash kommt, sollte sich wieder alles eingespielt haben …

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