
Regionale Topferde
2025 haben wir eine Zusammenarbeit mit der Biogasanlage Hahn aus Niederoberbach gestartet (das war nicht schwer, weil dort eine ehemalige Azubine von uns Anwärter auf den Schwiegertochterposten ist). In der Biogasanlage bleiben Separate / Gärreste übrig (das große Bild).
Ziel: Dieses Material soll als Hauptbestandteil für unsere neue Topferde dienen.
Unsere erster Versuch:
Gärreste, Holzfasern, Chinaschilf, Rindenkompost, Substratkompost, Pflanzkohle (Indien), Schafwollpellets. Alles nicht aus Schwabach, aber aus Bayern und dem nahen Baden-Würtemberg.
Mit der ersten kleinen Menge haben wir im Januar unsere Hochstamm-Bäume getopft. Zeitgleich haben wir einen kleinen Satz Basilikum in diese Mischung gesät (wenn die keimt wäre es fast komisch - muss man aber mal getestet haben).
Der zweite Versuch
Der Rindenkompost fällt weg (macht die Sache nur teuer). Pflanzkohle kommt jetzt aus der Frankfurter Ecke. Jetzt werden die ersten Tests mit Geranien, Petunien gemacht. Gleichzeitig wird es spannend, wie sich das Substrat auf unseren geschlossenen Tischen verhält und wie es durch die Topfmaschine läuft. Dieser Test läuft in der Valentinstagswoche mit dem Eintreffen der ersten Jungpflanzen an.
Ziel wenn alles klappt
Wir wollen 90% unserer Pflanzen mit dieser Erde topfen. Zeitgleich wollen wir an "alte Blumen Schwarz-Zeiten" anknüpfen und wieder eine Erde lose in Pfandgefäßen verkaufen. Im Zulauf ist ein Erdmischer, mit dem wir diese Erde auch sauber abfüllen können. Aktuell sind wir hier nur in Planung und überlegen diese neue Erdmischung auch gleichzeitig mit dem richtigen Dünger zu vertreiben. Es gibt also noch keine Preise und hier auch noch keine Details.
Die "langweiligen" Detailinfos für Fachbesuer
Eigenschaften unserer Gärreste: Salzgehalt über 7g/l, pH Wert unter 4, sehr pampiges, feuchtes Material. Die ersten eingeschickten Substrattest haben ein gutes NPK Verhältnis zurückgemeldet. Interessanterweise kennen wir Versuche von anderen Betrieben, bei denen das Hauptproblem der Gärreste die N-Bindung war. Das Problem haben wir nicht. Unser Material hat einen guten N Wert (eher zu hoch).
Der Gärrestanteil soll bei 50% liegen. Mit den restlichen Stoffen, wollen wir sowohl den pH Wert erhöhen, als auch mehr Luft in das Substrat bringen. Ob wir das, wegen dem hohen Salzgehalt, halten können, wird unsere nächste Mischung zeigen. Eventuell müssen wir die Gärreste etwas reduzieren (da das der günstige Teil des Substrates ist, wollen wir das natürlich vermeiden)
Zielwerte
Wir düngen flüssig mit ASL (Ammonium-Sulfat-Lösung - 16% N, 16 % Schwefel). Der Dünger kommt auch aus der Biogasanlage. Es ist daher ein mineralischer Dünger aus organischem Material :-). D.h. er stinkt nicht, verstopft keine Ebbe-Flut-Anlage, der Stickstoff ist gut verfügbar, regional und ein großer Vorteil: Das Zeug ist enorm kostengünstig. Durch den hohen Schwefelanteil (bisher hatten wir noch keine Schäden) sinkt der pH Wert stark. Unser Ziel pH Wert des Substrates ist daher 6,5 bis 7.
Unsere Überlegungen zu den weiteren Zusatzstoffe:
- Kompost: Gleichmäßiger (auch im Jahresverlauf) Kompost ist fast unmöglich zu bekommen. Gleichzeitig ist der Kompost schwer, hat einen hohen pH Wert und hohen Salzgehalt. Der Salzgehalt enthält oft (bei den meisten Kompostieranlagen) Stoffe, die wir nicht zur Pflanzenproduktion benötigen und nur stören. Deswegen haben wir hier nur einen kleinen Anteil zugemischt. Der Kompost deckt den Bedarf an Spurenelementen ab.
- Holzfaser hat, egal von welchem Hersteller, eine hohe N-Bindung. Holzfaser sind primär zur Lockerung bei uns im Substrat. Die N Bindung fangen mir mit den Schafwollpellets und der ASL Düngung ab.
- Chinaschilf soll (da haben wir noch keine Praxiserfahrungen) das Wasser besser verteilen und gleichzeitig lockern. Das ist für unsere Ebbeflutanlage wichtig. Gleichzeitig macht der Chinaschilf das Substrat, vom Aussehen her, "wild". Hier sind immer mal wieder 8cm lange, weiche Triebe in der Erde. Die N-Bindung soll geringer sein, als bei Holzfaser.
- Pflanzkohle (pH 10 - 14) sorgt für die Erhöhung des pH Wertes und puffert gleichzeitig sehr stark. Mit 4kg / m³ waren die ersten Tests gut und wir hatten im Versuch 1 einen pH Wert von 7. Pflanzkohle ist ein CO2 Speicher. Das heißt, dass der Einsatz von Pflanzkohle die CO2 Berechnung deutlich nach unten korrigiert. Aber aufpassen: Wir haben mit zig Produzenten gesprochen und die meisten Verkaufen zwar Pflanzkohle, aber "nebenbei" verkaufen sie die CO2 Zertifikate extra. D.h. man bekommt einen physischen CO2 Speicher, der aber auf dem Papier CO2 produziert, weil die Zertifikate schon anderweitig verkauft wurden. Das sehen wir als rechtlichen Graubereich und extrem unfaires Verhalten an. Wir verwenden nur Pflanzkohle aus Hölzern. Einige schlaue Produzenten (die Schweizer sind da groß) verkohlen Kompostabfälle. Zurück bleibt ein Produkt, dass in der Schweiz nirgendwo ausgestreut werden darf (zu viele Schwermetalle etc.). Gute Pflanzkohle treibt die Kosten nach oben.
- Wir wollen unsere Substratkosten um 35% reduzieren. Das ist möglich und damit wäre der 1m³ Substratmischer (den wir vor die Topfmaschine gestellt haben und der gleichzeitig als erweiterter Vorratsbehälter fungiert) im ersten Jahr schon mehr als bezahlt.

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