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Och nee - wirklich - Überraschung: Negativer Blumenartikel zum Valentinstag

Pünktlich zu "blumigen Festtagen" erscheint im Schwabacher Tagblatt mal wieder ein negativer Artikel "Schlehe statt Schnittrose" .

Natürlich überrascht es nicht wirklich. In der deutschen Presselandschaft ist das Blumen-Bashing zu Valentinstag, Frauentag und Muttertag weit verbreitet. Diesmal ist es wieder ein Klassiker, der vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz "verbrochen" wurde.

Unsere Stellungnahme dazu

Der Titel und der erste Absatz empfehlen, statt Schnittblumen lieber Wildsträucher zu pflanzen als "perfektes Symbol für jahrelange Liebe". Umgeschrieben für die Gastronomie würde das heißen: Statt romantischem Abendessen schenkt man dem Partner ein paar Karotten - ist auch viel gesünder.

Zu den "Fachinformationen" des Artikel:

  • Wildgehölze brauchen Platz. Sie machen daher in kleinen Gärten auf Balkonen viel Schneidearbeit und werden hier sehr schnell zu groß. Wenn überhaupt sind kompakte Zuchtformen sinnvoller. Wildgehölzen sind, Ausnahmen bestätigen die Regel, in großen Gärten, Parks und Anlagen toll.
  • In der kalten Jahreszeit sind die wenigsten Baumschulen, Gärtnereien und Gartencenter mit Gehölzen bestückt oder es ist so, wie bei uns, dass alles sauber abgedeckt (Frostschutzvliese) und im Winterschutz verpackt ist: Man kann in Bayern im Februar keine Schlehen kaufen!
  • Wen so etwas schönes und kunstvolles (Floristik ist eine Handwerkskunst) wie ein schöner Blumenstrauß mit einem, im Winter blattlosen, Gehölz verglichen wird und das das als Ausdruck von Liebe verschenkt werden soll, dann ist das einfach erbärmlich und geht an der Sache vorbei.  Gerade im Winter sind ja Frühlingsblumen so beliebt, weil sie Farbe bringen und Boten des kommenden Frühlings sind ...
  • Wir verkaufen Wildgehölze UND Blumensträuße. Der Vergleich ist einfach nicht besonders intelligent.

Zur Kritik an der Umweltfreundlichkeit der Blumenanzucht: Es ist richtig, dass die grüne Branche (was haben wir für endlose Diskussionen mit unseren holländischen Partnern geführt) sich in den letzten Jahrzehnten nicht mit Ruhm bekleckert hat. Das stimmt so nicht mehr pauschal und die Aussagen des Artikels sind zu einfach und simpel gehalten:

  • Rosen kommen im Februar aus Gewächshäusern oder Drittländern. Das im Artikel angesprochene Kolumbien ist eher ein negatives Beispiel für billigst Qualität. Gute Qualität (die es im Fachhandel gibt) kommt aus Ecuador, Niederlanden  und teilweise aus Kenia).  Auch hier in der Region (Poppenreuth) haben wir Schnittblumenproduzenten, die uns im Winter versorgen.
  • Schnittblumen (Rosen) aus den Niederlanden sind inzwischen viel besser geworden. Wir leben nicht mehr in den achtziger Jahren. Auch in den Niederlanden wird nach CO2 Neutralität, sauberer Heizung und zukunftssicherem Anbau gefragt und gehandelt. Der Anteil an klimaneutralen Heizungen steigt konstant. Der Anteil an Ökostrom (2025 in den Niederlanden über 50%) ist so hoch wie nie, d.h. die Energie für die Assimilationslampen kommt, selbst wenn der Gärtner nicht an Umweltschutz denkt, zum größten Teil aus erneuerbaren Energien.
  • Selbst die in Bayern gezogenen Frühlingsblumen werden wegen möglichem "Torf" im Topf abgelehnt. Abgesehen davon, dass auch die Erden von Wildgehölzen (so sie im Topf angeboten werden) wahrscheinlich Torf enthalten, ist die Aussage, dass durch Torfabbau großflächige Moore zerstört werden für Deutschland schlicht und einfach falsch und trifft seit vielen Jahrzehnten nicht mehr zu (Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Norden von Deutschland trocken gelegt und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht, das ist im Prinzip das Datum der Hochmoorzerstörung ). Aktuelles Beispiel: Trotz einem Verbot der Ausweisung neuer Abbaugebiete in Niedersachsen hat 2025 Gramoflor ein wirklich großes Abbaugebiet genehmigt bekommen. Warum? Das Gebiet ist aktuell eine landwirtschaftliche Nutzfläche, Gramoflor hat in der Vergangenheit gezeigt, dass die Firma eine perfekte Naturrierung, nach dem Abbau, macht. Durch den Torfabbau wird damit die Entstehung eines neuen(!) Moores finanziert.
  • Inzwischen sollte es jedem klar sein, dass Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht über Nacht funktionieren (deswegen fahren ja auch noch Verbrenner auf den Straßen). Die Bemühungen des europäischen Gartenbau gehen aber in die richtige Richtung und wir sehen viele gute Projekte und Umsetzungen.
  • Wir hatten letztes Jahr eine (unangekündigte) Überprüfung unserer Tulpen auf Pestizide: Alles sauber.

Welche Empfehlung wäre den sinnvoll gewesen?

Wenn Nachhaltigkeit und Umweltschutz das bestimmende Einkaufskriterium sind, dann wären folgende Empfehlungen wichtig:

  • Regionale Schnittblumen
  • Frühlingsblumen wie Freesien, Tulpen, Osterglocken wachsen relativ kalt, benötigen wenig Energie und viele Betriebe (in unserer Größe) bauen sie noch selbst an.

    Tulpen- und Frühlingsblumensträuße
  • Auf Fartrade und Nachhaltigkeit achten.
  • Das Hirn angeschaltet lassen. Wenn die Rose im 10er Bund nur 39Cent kostet, dann sollte einfach klar sein, dass keiner etwas zu verschenken hat und hier kein Spielraum besteht. Bis auf wenige Ausnahmen ist Umweltschutz (noch) teurer als konventioneller Anbau.  Bei solchen Angeboten gilt: Man bekommt, was man bezahlt.
  • Gerade in Bayern gibt es noch vergleichsweise viele Endverkaufsgärtnereien. Dort wird meistens das ganze Frühlingssortiment vor Ort produziert: Regional einkaufen!

Warum solche Artikel

Vor 15 - 20 Jahren wurden mit solchen Artikel die grüne Branche geärgert und zum Umweltschutz animiert. Das hat seine Berechtigung gehabt. Inzwischen ist einfach nur nervtötend und langweilig. Nochmal am Beispiel Gastro: Das wäre so, als würde das Schwabacher Tagblatt anlässlich des Bürgerfestes einen Artikel über das ungesunde Essen, die Müllberge, den Energieverbrauch, die Lärmbelastung und darüber, dass das meiste Essen der Schwabacher Gastronomie nicht aus Bioanbau und von regionalen Bauern kommt, schreiben. Das Fazit eines solchen Artikel könnte lauten "geht nicht aufs Bürgerfest, ein Waldspaziergang ist viel umweltfreundlicher",  Kann man machen, muss man aber nicht. Wenn Umweltschutz im täglichen Leben ankommen soll, dann darf er nicht andauernd und immer als Spaßbremse verkauft werden.

Selbst wenn man das alles außer acht lässt, bleibt der üble Nachgeschmack, dass der Landesbund für Vogel- und Naturschutz die Schnittblumen nur deswegen madig machen, weil sie damit ihre eigene Interessen ins Licht stellen können.

4 thoughts on “Och nee - wirklich - Überraschung: Negativer Blumenartikel zum Valentinstag

  1. Herzlichen Dank für Ihren, wirklich sehr fachlich geschriebenen Artikel mit einer deutlichen Klarstellung.
    Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen.
    Auch wir vermissen zunehmend die Neutralität in den Medien.
    Alles Gute!

    1. Aus NN Sicht kann ich es sogar verstehen:
      Weniger Anzeigenkunden, weniger Leser, Einnahmenwachstum nur im Bereich online, soziale Medien und Onlineanzeigen. Im Onlinebereich verkaufen sich reißerische Überschriften besser und hohlen mehr Leser an Land (so nehme ich die Situation jedenfalls mal an).
      D.h. es bleibt weniger Zeit für echte Redaktionsarbeit und man übernimmt fertige Artikel, die einfach zur Jahreszeit passen, sehr gerne.
      Soweit und so verständlich.
      Nur langsam wird es echt langweilig. Und natürlich bleibt es in der Verantwortung der Redaktion so einen Artikel (der eigentlich eine Werbung für die Belange des Naturschutzbundes ist und nur in Schnittblumen-Kritik verpackt wurde) ab zu lehnen oder zu bringen ...

  2. Danke für diesen Bericht, den ich mit großem Interesse gelesen habe. Sie haben das alles gut erklärt. Ich freue mich immer über etwas „Blühendes“ in meiner Wohnung. Besonders in den grauen Wintertagen.
    Die Pflanzen im Frühling, Sommer und Herbst für den Balkon und unser Grab kaufe ich nur bei Ihnen! Ich merke die gute Qualität und schätze auch Ihre Beratung sehr!

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