Konflikt der Gärtnereien Schlammschlacht um Willi: Erneuter Test für Gießroboter sorgt in Schwabach für Streit
so titelt das Schwabacher Tagblatt heute online (Artikel hinter der Paywall) und in den nächsten Tagen in der Printausgabe.
Wir sind in der Diskussion wirklich müde und sehen aber die Notwendigkeit hier Stellung zu nehmen:
Gute Zusammenarbeit unter Kollegen ist unser Ziel
Wir haben keine Probleme mit Schwabacher Kollegen und Kollegen aus dem Umfeld. Seit Jahren sind wir in regionalen Arbeitsgruppen vom AELF (Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten) aktiv und tauschen uns hier intensiv (auch mit Schwabacher Kollegen) aus. Auf den Gesellenprüfungen (sowohl Heino Schwarz, als auch Lukas Schwarz engagieren sich im Prüfungsausschuß) genießen wir den Austausch mit Kollegen und zu guter letzt ist Blumen Schwarz einer der aktiven Betriebe in der regionalen Gartenbaugruppe Schwabach-Roth-Weißenburg. Wir sind fest davon überzeugt, dass gute Zusammenarbeit alle Beteiligte weiterbringt. Dementsprechend gehen wir mit unseren Wissen auch um. Beispiele: Nächste Woche packen wir die Zahlen und Fakten über unseren 24h Laden bei Kollegen in Süddeutschland aus. Im Herbst / Winter sind wieder die mittelfränkischen Kollegen bei uns um unsere aktuellen Umbauten anzusehen.
Wir finden Schlammschlachten ungut. Eine harte Diskussion, die auch schon mal hochkochen kann, und ein nachher vertragen ist meistens der bessere Weg. Ganz ehrlich Frau Vogel: Die Überschrift hätte es nicht gebraucht. Unser normales Vorgehen im Wettbewerb sind die Überlegungen: "Wo kann ich besser werden, wie kann ich meine Stärken besser herausstellen." Diesen Weg versuchen wir konstant zu gehen und den Blick primär auf unseren Betrieb zu halten. Bestes Beispiel Grabpflege: Wir haben in Ansbach und Schwabach fast die gleichen Preise. In Schwabach sind wir die teuersten, in Ansbach die günstigsten. Wir passen unsere Preise weder in Ansbach, noch in Schwabach an, weil die Kosten unsere errechneten Kosten sind, mit denen wir den angestrebten Gewinn machen. Diese Kosten sehen wir als fair für unsere Kunden und uns an. Da interessiert mich relativ wenig, mit welchen Kosten die Mitbewerber an den Start gehen (unsere Grabpflegekosten sind kein Geheimnis und transparent im Webshop einsehbar)
Zu den Fakten, den Hintergrundprozessen und unserer Ansicht
Seit Mitte April treffen wir uns mit Verantwortlichen der Stadt Schwabach / des Friedhofes und besprechen Änderung. Gleichzeitig spielen wir laufend Verbesserungen ein und verbessern uns / das Roboterverhalten.
In Kurzform die Fakten:
- Aktuell ist ein (!) Grab wirklich ausgeschwemmt (das Bild im Artikel). Das Grab ist frisch, hier liegt feiner Sand und obwohl wir die Düsen schon ein paar angepasst haben, schwemmt jeder Tropfen, der die Schale nicht trifft den feinen Sand weg. Da es hier um wenige Wochen geht - bis das Grab neu angelegt wird - ist das unschön (ohne Diskussion) aber gerade bei uns nicht die absolute Priorität. Aus diesem Grund gibt es auf anderen Friedhöfen eine Umrandungspflicht (Holzrahmen, Bodendecker, Stein). Sinnvolle Sache.
- Es gibt hin und wieder (in Zahlen: aktuell 10 Gräber von knapp 300, die wir mit dem Roboter gießen) Ausschwemmungen durch verstopfte Düsen. Das ist uns beim Saubermachen aufgefallen, die Düsen am Roboter wurden gereinigt, Erde wurde / wird auf unsere Kosten aufgefüllt.
- Der Roboter wiegt keine 500kg sondern mit vollem Tank etwas unter 400kg (180kg das Wasser, etwas über 200kg der Roboter). Mit der breiten Bereifung haben wir damit eine Punktbelastung von 100kg / pro Rad. Das ist etwas mehr (von der Fläche gesehen), wie bei einem mittel schweren Menschen mit 2 vollen Gießkannen in der Hand und deutlich leichter als alle anderen eingesetzten Maschinen auf dem Friedhof.
- Wir wollen, dass der Friedhof so schön wie möglich ist. Das ist unser Geschäftsmodell. Nur dann nimmt die Akzeptanz von Gräbern wieder zu und unsere Aufträge bleiben konstant.
- Es gibt aktuell leichte Spuren im Gras. Dadurch, dass es hin und wieder geregnet hat, ist der Rasen dieses Jahr in weiten Teilen des Waldfriedhofs sehr schön und die Spuren sind minimal. Richtig ist, dass wenn es jetzt trocken wird und die Tagestemperaturen auf 35°C klettern, die Spuren deutlicher werden. Aber das hängt mit dem vertrocknetem Rasen zusammen. Keiner will, aus Nachhaltigkeitsgründen, den Rasen im Friedhof großflächig gießen. Der Rasen wird halt im Sommer braun. Die Spuren im braunen Rasen sind nicht schön, aber genauso wie der braune Rasen auch nicht schön ist ...
- Wir arbeiten massiv und laufend an der Minimierung der Spuren und erarbeiten gerade mit der Friedhofsverwaltung einen Katalog, der die Schäden in akzeptabel und sofortige Verbesserung einteilt. Klar ist, dass wir, wie alle Gewerke am Friedhof unsere Schäden reparieren müssen. Zu unseren Änderung gehört (und das ist aus Zeitmangel noch nicht in allen Abteilungen umgesetzt):
- Keine Drehung des Roboters auf Rasenflächen
- Nur maximal eine Anfahrt pro Tankladung alle 2 Tage. D.h. wird ein Weg zu den Gräbern öfters nachts befahren, werden unterschiedliche Routen gewählt. Das bringt auf Teststrecken messbar gute Erfolge.
- Softwareanpassungen: Aktuell haben wir eine deutlich verzögerte Anfahrt im Test (d.h. der Roboter braucht ungefähr 10s von 0 auf 3,2 km/h)
- Reduzierte Geschwindigkeit auf Rasenflächen (die meistens Rasenflächen schleicht der Roboter mit gerade mit 1,6km/h ).
- Zum Wasserverbrauch: Wir dokumentieren im Rahmen der Testbetriebes, sowohl den Wasserverbrauch des Handgießens, als auch den Wasserverbrauch des Roboters. Das ist alles andere als einfach und das sauber in Relation zu bekommen ist schwierig. Im Frühjahr war das Gießen zu unregelmäßig, dann hat wir ein übermäßiges Handgießen (durch Neupflanzung und intensives Angießen). Dann ging ein Wasserzähler nicht, meine Mitarbeiter haben einen Handzähler verschlampt ... Aber zu den aktuellen Werten: Wir haben den Wasserverbrauch auf Gießzähler umgerechnet (Urnengrab 0,5, Einzelgrab 1, Doppelgrab 2, Dreifachgrab 3). Handgießen erfolgt bei Hitze dreimal in der Woche (Montag, Mittwoch, Freitag). Robotgießen alle 2 Tage (d,h. rechnerisch 3,5 mal in der Woche). Rechnet man das auf den Wochenverbrauch dann gießen wir mit Hand pro Woche 45l / Zähler und beim Roboter 43l. Rechnen wir beim Handgießen noch die Gemeinschaftsanlage Sonnenspirale dazu ist der Wert noch deutlicher: Damit steigt das Handgießen auf 59l / Zähler. Während die Roboterwerte das ganze Jahr über konstant sind, schwanken die Handgießwerte deutlich. Gerade im Hochsommer wird am Montag (nach 3 Tagen ohne Gießen) meist ein Drittel mehr gegossen .... Die Wasserzähler sind einsehbar und können von jedem überprüft werden. Da wir offen kommunizieren haben wir auch die erklärten Gegner des Gießroboters (Heinrich Hack von der CSU) zur Begleitung der Testphase eingeladen. Also auch wenn wir ein Grab von 300 Gräber nicht sauber treffen ist das Gießen mit dem Roboter effektiver und besser für die Pflanzen (weniger Verdunstung in der Nacht und damit deutlich höhere Effektivität).
Zu den Kommentaren unserer Kollegen
Herr Michael Koch hat Recht, dass ich ihm das Angebot des Gießen der Gräber nicht gemacht habe. Das war ein Fehler von mir und lag damals daran, dass ich schlicht und einfach keine Email von ihm hatte und erstmal meine Kollegen, die viele Gräber betreuen, informiert hatte. Wenn der Roboter genehmigt wird, werden wir uns aber, wenn er Interesse daran hat, mit ihm und den anderen Kollegen an einen Tisch setzen und über Preise reden.
Wir arbeiten auf mehreren Friedhöfen mit Kollegen zusammen und lassen Gießen und / oder sogar Pflegen. Für uns ist das ein Erfolgsmodell. Genauso wie in Nürnberg die Friedhofsgenossenschaft (die genau für diesen Zweck gegründet wurde) ein Erfolgsmodell für alle beteiligten Gärtner ist ... Solche funktionierenden Kooperationen kennen wir noch viele mehr (Tübingen, Köln etc). Die Angst davor verstehen wir nicht. Es ist echt schade, dass das in Schwabach nicht funktioniert. Unsere Preise in diesen Kooperationen liegen meist über denen der Kollegen, die für uns gießen, aber (davon ich bin überzeugt) dafür ist unsere Gesamtleistung höher. Wir haben auf diesen Friedhöfen steigende Zahlen (wie auf allen anderen Friedhöfen auch). n
Aktuell arbeiten 2 ehemalige selbstständige Floristinnen (die vorher direkte Mitbewerber von uns waren) bei uns (als Nebenverdienst zur Rente). 2 weitere sind im Zulauf. Das ist doch viel schöner, wenn man so zusammenarbeiten kann und das Spaß macht.
Wir sehen es so:
Wenn ich weiß, dass ich besser bin, dann brauche ich keine Angst vor dem Kollegen zu haben. Wenn ich weiß, dass er besser ist, muss ich versuchen die selbe Qualität zu erreichen oder mich auf einen Bereich beschränken, in dem ich besser bin. Wenn ich weiß, dass ich nirgends besser bin, muss ich rechnen und schauen, ob ich mit dem Preis günstiger sein kann.
Auf Schwabach gemünzt: Warum macht unser Kollege nicht Werbung mit "wir gießen Ihr Grab liebevoll mit Menschenhand - nicht mit Roboter" oder "wir gießen individuell und passend - nicht maschinell und standarisiert" und hat damit schon die beste Argumentation, dass er Betrag x mehr verlangen kann?
Wir ziehen unsere Pflanzen chemiefrei ohne Wachstumregulatoren an. Das heißt auch, dass manchmal unsere Pflanzen deutlich gackliger / höher sind oder wir Pflanzen mit minimalen Schädlingsbefall auf die Gräber pflanzen. Warum nicht hier eine Positionierung mit "wir haben kompakte Pflanze - ohne wenn und aber"?
Wir haben hohe fünfstellige monatliche Lohnkosten. Da bei uns niemand im Winter ausgestellt wird, haben wir die Kosten 12 Monate im Jahr. Was für ein Wettbewerbsvorteil für kleine Familienbetriebe, die auch mal etwas günstiger werden können, weil für die Familie das Geld ausreicht ....
Zum Thema Monopol
Vor 40 Jahren reichte es aus ein guter Gärtner zu sein und das Geschäft ging damit blendend. Seit 25 - 30 Jahren überlebt nur der, der sich intensiv mit seiner Außenwirkung befasst und auch Geld und / oder Zeit in die Hand nimmt um in der multimedialen Reizüberflutung nicht verloren zugehen. Warum sind die Kollegen, die am lautesten Schreien, immer die, die nie eine Werbeanzeige schalten, die keine aktiven Homepages haben, die keine Emailwerbung machen, die keine Sozialmediaacounts betreiben, die keine Plakate drucken lassen, die nie zum Tag der offenen Tür in ihre Gärtnereien einladen und die nie ihren Kunden einen Brief schicken?
Zum Thema Zukunft
In Ansbach hat mal jemand von der Friedhofsverwaltung gesagt: Der Roboter ist unser kleinstes Problem am Friedhof (und der Ansbacher Stadtfriedhof ist noch eine ganze andere Herausforderung für Roboter). Der Rednitzhembacher Bürgermeister sagt, dass es keine Beschwerden und Probleme mit dem Roboter gib (wir gießen seit 2022). Keine Ahnung warum das in Schwabach, auch nach 8 Jahre Diskussion, immer nochmal und nochmal und nochmal diskutiert werden muss. Es ist doch eine einfache Frage: Wollen wir kostengünstiges, zukunftsgerichtetes, nachhaltiges Grabgießen (das auch für zukünftige Generation ein interessantes Geschäftsmodell bleibt und für viele Menschen bezahlbar ist) oder nicht?








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